Amstetten
|
29.03.2009 - Beim härtesten Mountainbike-Etappenrennen der Welt platzten die Amateure Jürgen Kaindl und Ingmar Brichenfrid mitten in die Phalanx der Profis.
Bereits zum 2. Mal wagten der Amstettner Jürgen Kaindl und der Grestner Ingmar Brichenfrid (beide RC Tretlager Amstetten) das Abenteuer Cape Epic in Südafrika. In acht Tagen galt es nicht nur gegen 1198 Gegner aus 43 Nationen anzutreten: insgesamt warteten 668 Kilometer und unglaubliche 14.663 Höhenmeter auf die Radsportler.
Weltklasse beim Prolog am Tafelberg
Schon beim Prolog auf dem als Postkartenmotiv weltberühmten Tafelberg in Kapstadt traten Brichenfrid und Kaindl - in Südafrika übrigens als Team Doka Afrika gestartet - ordentlich in die Pedale: Platz 24 bedeutete nicht nur einen gehörigen Schub fürs Selbstvertrauen, sondern auch einen Startplatz mitten unter den Profis für die 1. Etappe.
Etappe 1 bis 5: Konstant in den Spitzenrängen
An den ersten 5 Etappentagen zeigten der IT-Manager Kaindl und der Tischlerei-Inhaber Brichenfrid konstant der Mehrzahl der Gegner das Hinterrad ihres Ginner Sport bzw. Lietz-Sport Bikes.
Ein Highlight: Auf Etappe 2 nahm das Team Doka Afrika dem ehemaligen Telekom-Star Udo Bölts und seinem Partner über drei Minuten ab.
Nach 5 Etappen klassierten sich Ingmar und Jürgen als bestes österreichisches Team auf Platz 20 unter 600 Teams!
Etappe 6: Ein Unglück kommt selten allein!
Der verflixte 7. Tag: So grausam kann ein Sportlerleben sein, von einer Sekunde auf die andere werden Sekunden zur Nebensache und es zählt nur mehr das Durchkommen.
Aber der Reihe nach: Knapp vor dem Start kann ein druckloser Reifen von Jürgen gerade noch rechtzeitig rennfertig gemacht werden.
Nach 10 Kilometern: Ingmar bemerkt plötzlich, dass sich sein Schuh auflöst und es fast unmöglich ist in das Pedal einzuklicken. Das Problem wird irgendwie gelöst.
10 Kilometer später verabschiedet sich Jürgens Schaltwerk auf den Bikefriedhof. Das Schaltwerk wird demontiert, die Kette gekürzt und nur mit einem Gang weitergefahren. Wenn man denkt es kann nicht mehr schlimmer kommen - kommt es schlimmer:
Ingmar überschlägt sich mit Tempo 40 und knallt auf den Rücken. Dank seines neuen Raiffeisen-Rennhelmes passiert nichts Schlimmeres. Mit extremen Schmerzen versuchen die beiden das Rennen fortzusetzen. Irgendwie klappt es und Ingmar fighted zurück.
30 Kilometer vor Schluss geht der wichtigste Teil an Jürgens
Bike kaputt - der Rahmen. Dieser ist so verzogen,
dass keine einzige Kurbelumdrehung mehr möglich ist. Das ganze nennt man nun “Laufrad”. Mit unaufhörlichen Schmerzen und eisernem Willen schleppen sich die beiden über die noch ausständige Distanz. Die Anstiege werden gelaufen - die
Abfahrten gerollt und auf den Flachpassagen zieht Ingmar Jürgen hinterher.
Nach exakt 4:59.26 überqueren sie als 136. Team
die Ziellinie. Sensationell: Sie haben trotzdem nur drei Plätze in
der Gesamtwertung eingebüßt und liegen auf dem
großartigen 23. Rang!!! Was für ein Tag!
Finaletappe 7: Ein Kinderrad verursacht Rückenschmerzen
Ingmar versucht seine Rückenschmerzen mental auszublenden und Jürgen muss es ihm bald nach Etappenstart gleichtun: Das von Scott geborgte Leihrad ist viel zu klein, was permanente Rückenschmerzen und Beinprobleme verursacht. Kommentar von Jürgen Kaindl: „Die letzte Etappe war für mich kein Honiglecken. Das Leihrad war viel zu klein. Jeder Erwachsene kann sich vorstellen, wie es ist, mit einem Kinderfahrrad in dreieinhalb Stunden 1760 Höhenmeter zu befahren.“
Aber schließlich bezwingt das Team Doka Afrika auch diese Hürde und klassiert sich mit einer Gesamt-Fahrzeit von 33 Stunden 37 Minuten und 55 Sekunden auf dem sensationellen 24 Platz bei den Profis.
Schlusskommentar von Jürgen Brichenfrid: "„Wir waren sensationell in Form und haben in den ersten 5 Etappen gezeigt, dass wir vorne mitfahren können. Gegen Defekte und technische Gebrechen sind auch wir machtlos. Aber die Zieleinfahrt vor 12.000 jubelnden Fans hat uns für alle Strapazen entschädigt.“
Weitere Infos:
www.cape-epic.com
www.juergenkaindl.com
www.ingmar-brichenfrid.com
www.tretlager.com
Kommentare
zu diesem Artikel gibt es 2 Kommentare
Seite 1/1